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  Energiewende beim Strom
 

Hintergrund:

  | Verbundnetz | Netzsteuerung  | virtuelles Kraftwerk | Kombi-Kraftwerk |
| Stromspeicherung | Umwandlung in Gas | Gaswirtschaft |

Energiewende zur Nachhaltigkeit

Überblick:
 
Der Begriff "Energiewende" und seine übergreifenden Aspekte werden auf der
Überblicksseite zur Energiewende behandelt. Dort befindet sich auch der Servicebereich (Presseartikel; Daten/Statistiken; Dokumente, Links).
 
Die Umsetzung der Energiewende speziell im Strom-Bereich beruht - wie auch bei der übergreifenden Energiewende - auf drei Säulen, die jeweils in Extraseiten ausführlich dargestellt werden:
 1. Steigerung der Energieeffizienz
 2. Verstärktes Energiesparen
 3. Ausbau der Erneuerbaren Energien 
 


Die Einspar-Potenziale beim Strom sind enorm und werden ausführlich in den Seiten zur Energieeffizienz und zum Energiesparen dargestellt.  Der Schwerpunkt soll im  Folgenden auf dem Ausbau der Stromnetze, der intelligenten Steuerung und Vernetzung von dezentraler Energieerzeugung sowie der Energiespeicherung liegen, die um so wichtiger werden, je umfangreicher das schwankende Aufkommen des Ökostroms wird.
   

Super-Stromnetz
G.Czisch: Szenarien zur Stromversorgung

Großansicht/Daten

Stromverbundnetz (Super-Grid):
Da in vielen Regionen, auch in Deutschland, die Windenergie ein schnell wachsendes Gewicht im Spektrum der erneuerbaren Energien einnimmt [1] , bereitet die oft stark schwankende Windstrommenge wachsende Probleme. Zur Lösung werden vor allem große Verbundsysteme mit HGÜ-Stromtrassen (Supergrid) vorgeschlagen, in denen verschiedenartige erneuerbare Energieaufkommen (Wasserkraft aus Skandinavien, Geothermie-Strom aus Island, Wind- und Biogas-Strom aus verschiedenen Regionen, Solarstrom aus Nordafrika und dem Nahen Osten) kombiniert werden und dadurch im Durchschnitt ein gleichmäßigeres Stromangebot erzielt wird. Die Vernetzung mit Skandinavien, vor allem Norwegen, stellt zusätzlich gewaltige Kapazitäten zur Stromspeicherung bereit [2] [3] .

Hintergrund: Szenarien zur zukünftigen Stromversorgung 
    

Netzintegration
Netzintegration: BINE-Info
Großansicht [BINE]

Intelligente Netz-Steuerung  (Smart-Grid,   Smart Metering )
Neben der Verstetigung des Stromangebots durch große Verbundsysteme kann zusätzlich auf der Nachfrageseite der Stromverbrauch an das schwankende Stromangebot angepasst werden. Dazu werden Stromverbraucher wie z.B. Wasch- und Spülmaschinen oder auch künftige Elektroautos in den Haushalten von einer Energiemanagement-Zentrale ferngesteuert. In Zeiten hohen Stromangebots werden sie eingeschaltet, in Phasen von Stromknappheit bleiben sie abgeschaltet [4] .
Die Anpassung des Stromverbrauchs an das Stromangebot kann noch dadurch verstärkt werden, dass der Strompreis in Abhängigkeit vom Stromangebot variiert: Bei hohem Stromangebot und entsprechend niedrigem Preis werden die Geräte verstärkt genutzt, bei knappem Angebot und hohem Preis bleiben sie nach Möglichkeit ganz ausgeschaltet [5] .

Kommunikation
mit BEMI
Kommunikation mit BEMI- BINE-Info
Großansicht [BINE]
Damit diese Anpassung automatisiert erfolgt, muss die gesamte Strominfrastruktur aufgerüstet werden: Stromerzeuger und -verbraucher tauschen ständig über Datenleitungen Informationen über Stromangebot und -nachfrage und über die jeweiligen Strompreise (Strombörse EEX in Leipzig) aus. Dazu werden die Endgeräte (z.B. Waschmaschine) mit einer Steuerungselektronik ausgerüstet
(BEMI = Bidirektionales Energie-Management-Interface).
Eine intelligente Netz- und Gerätesteuerung (smart-grid) sowie Preisermittlung (smart metering) sorgen dann unter Einbeziehung von Wettervorhersagen für eine energie- und preiseffiziente Stromerzeugung und -nutzung. Das vom Umweltministerium geförderte Forschungsprojekt DINAR demonstriert, wie sich solch ein dezentrales Energiemanagement realisieren lässt. Zusammen mit 16 Partnern aus der Industrie hat das Institut für Solare Energieversorgungssysteme (ISET an der Uni Kassel) ein entsprechendes System für das Niederspannungsnetz entwickelt.
Ein erster stadtweiter Großversuch läuft in Boulder (Colorado, USA) [6] .
  

virtuelles Kraftwerk BINE-Info
Großansicht [BINE]

Virtuelles Kraftwerk:
Viele kleine dezentrale Kleinstkraftwerke, z.B. künftige Mini-BHKW in Haushalten, könnten über das oben beschriebene intelligente Stromnetz so gesteuert werden, dass sie in ihrer Gesamtheit wie ein Großkraftwerk wirken, das deshalb als "virtuelles Kraftwerk" bezeichnet wird [7] . Der Ökostrom-Anbieter Lichblick will in Kooperation mit VW solch ein virtuelles Kraftwerk erstmals in Deutschland in großem Maßstab ab 2010 realisieren: 100.000 Mini-BHKW auf Basis von Gasmotoren können innerhalb 1 Minute hochgefahren werden und eine hochflexible Gesamtleistung von bis zu 2000 MW bereitstellen (sog. "Schwarmstrom") [12] .
Auch eine Vielzahl von Akkus in künftigen Elektroautos könnten über das intelligente Stromnetz kurzzeitig als virtuelles Kraftwerk zur Abdeckung von Lastspitzen genutzt werden. Umgekehrt könnten die Akkus bei Stromüberschuss verstärkt aufgeladen werden und so als zusätzlicher Stromspeicher dienen.
  


virtuelles Kraftwerk BINE-Info
Großansicht/ Infos/ Video
Regeneratives Kombikraftwerk:

Virtuelle Kraftwerke helfen, das Ausmaß sog. "Schattenkraftwerke" klein zu halten. Darunter versteht man flexible Kraftwerke (z.B. Gaskraftwerke oder auch Pumpspeicherkraftwerke, Druckluftspeicherkraftwerke), die zusätzlich zu den Ökostrom-Kraftwerken gebraucht werden, um Zeiten mit geringem Ökostrom-Angebot zu kompensieren. Mit dem Ziel zu beweisen, dass eine sichere Stromversorgung auch ganz ohne fossile Schattenkraftwerke auskommt, haben drei Unternehmen der Wind- (Enercon), Solar- (SolarWorld) und Biogasbranche (Schmack-Biogas) zusammen mit dem Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) in Kassel ein dezentrales Pilotkraftwerk erstellt, das rund um die Uhr bei jedem Wetter 1/10.000 des deutschen Strombedarfs deckt. Dieses regenerative Kombi-Kraftwerk besteht aus 11 Windgeneratoren von Aachen bis zur Nordsee, 20 Fotovoltaik- und 4 Biogasanlagen in Hessen und Bayern sowie 1 Pumpspeicherwerk [8] . In diesem Kraftwerksverbund sind die Biogas-Anlagen völlig unabhängig vom Wetter und reichen zusammen mit dem Pumpspeicherwerk aus, das schwankende Stromangebot aus Windkraft und der Photovoltaik auszugleichen.
Dieses Kombikraftwerk ist natürlich nicht beliebig innerhalb von Deutschland skalierbar: Selbst nur der Faktor 10, also dann 1/1000 des Stromverbrauchs, wäre nicht realisierbar, weil für neue Pumpspeicherkraftwerke kaum noch Raum ist. Ähnlich energieeffiziente und vergleichsweise preiswerte alternative Methoden der Stromspeicherung gibt es bisher aber nicht. Die Speicherung z.B. in den Akkus einer Flotte von Millionen Elektroautos wäre zu teuer und vom Volumen zu klein [13] .
Soll also das Prinzip des Kombikraftwerks auf nenneswerte Größenordnungen (z.B. 10 % des Stromverbrauchs) erweitert werden, gelangt man zur oben beschriebenen weiträumigen Vernetzung (Supergrid), mittels der die großen Kapazitäten an Pumpspeicherwerken in Skandinavien über HGÜ genutzt werden können.
  
ZEIT-Grafik: Stromspeicherung

Stromspeicherung:
Viele Energieexperten vermuten, dass die oben dargestellten Maßnahmen alleine nicht ausreichen werden, um das volatile Wind- und Solarstrom-Aufkommen zu kompensieren. Sie halten eine starke Ausweitung großvolumiger Stromspeicherung für zwingend. Die ZEIT-Grafik stellt zwar insgesamt 9 verschiedene Varianten der Stromspeicherung (Pumpspeicher, Druckluftspeicher, Schwungrad, Akku, Brennstoffzelle, Flow-Batterie, Doppelschichtkondensator, supraleitende Spule, intelligentes Stromnetz) vor: Alle Varianten der Stromspeicherung, bis auf die Pump- und Druckluftspeicherung, sind bisher jedoch im Großmaßstab noch nicht verfügbar oder zu ineffektiv bzw. zu teuer oder noch in Forschung und Entwicklung.
  
Nach aktuellem Stand am geeignetsten sind Pump-, Hub- und Druckluft-Speicherung sowie die großräumige "intelligente" Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern- und verbrauchern, die im Folgenden näher dargestellt werden.
   

Pumpspeicherkraftwerk: Funktionsschema: Großansicht bei nibis.ni.schule.de

Bei einem Pumpspeicherkraftwerk wird in Phasen überschüssigen Stroms Wasser aus einem See oder Auffangbecken in ein höher liegendes Speicherbecken gepumpt. Dabei wird elektrische Energie (Strom) in potentielle Energie umgewandelt und gespeichert. In Phasen von Strommangel lässt man das Wasser aus dem Speicherbecken durch Rohre wieder nach unten in den See abfließen, wobei es eine Turbine mit angekoppelten Generator antreibt. Auf diese Weise wird die potentielle Energie wieder zurück in Strom verwandelt. Bei dieser Art der Stromspeicherung wird ein hoher Wirkungsgrad von bis zu 80 % erzielt. Um 1000 kWh zu speichern, müssen z.B. 1000 m³ Wasser um 367 m hochgepumpt werden [15] .

Koepchenwerk
Koepchenwerkt: Großansicht bei Wikipedia
Großansicht [Wiki]

Daten zur Pumpspeicherung in Deutschland
Leistung (GW) | Strommenge(GWh)
- alle 32 Pumpspeicherwerke zusammen: 6,7 | 40:
- geplantes Pumpspeicherwerk Atdorf (Scharzwald): 1,4 | 14,7
- bisher größtes Pumpspeicherwerk Goldisthal: 1,06 | 8,5 
- größtes Pumpspeicherwerk in NRW: Koepchenwerk :  0,153 | 0,59 [9]
    
Da die überschüssige Windenergie künftig vor allem aus den Off-Shore-Windparks in der Nord- und Ostsee kommen wird, mögliche Standorte für neue Pumpspeicherwerke aber mindestens einige 100 km entfernt in den Mittelgebirgen liegen, müssen neue HGÜ-Stromtrassen gebaut werden, um den Strom dorthin zu transportieren, wo die großen Stromverbraucher bzw. Stromspeicher sind.   

Die Stromspeicherkapazität aller bisherigen Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland beträgt nur rund 7 GW und 40 GWh. Bei der Energie wäre mindestens die 500-fache Kapazität (20.000 GWh), bei der Leistung das 10-fache (70 GW) erforderlich [16] . d.h. es müssten zahlreiche weitere Speicherkraftwerke gebaut werden. Die heimische konventionelle* Ausbaukapazität für Pumspeicherung ist vergleichsweise klein, z.B. sind Standorte für neue Speicherbecken rar und meist in der Bevölkerung hoch umstritten (s. Atdorf).
* Ausnutzung natürlicher Höhenunters
chiede zwischen Berg und Tal
 

Unkonventionelle großvolumige Speicherkraft (u.a. Ringwallspeicher, Hubspeicher, s. Folgeabschnitt) ist bisher noch im Stadium von durchgerechneten Skizzen, eine konkrete Projektplanung oder gar -durchführung ist derzeit nicht abzusehen. Unklar ist bisher auch, ob ggf. eine Vielzahl von dezentralen kleineren Pump- und Hubspeichern (z.B. in ausgedienten Bergwerken) hinreichend wirtschaftlich betrieben werden können und welchen Beitrag sie in der Summe werden leisten können.

   

Ringwallspeicher
Ringwallspeicher:  Grafik Großansicht

Daten/Großansicht

Unkonventionelle Speicherkraft:
Denkbar sind Pumpspeicherkraftwerke im Flachland durch Schaffung von künstlichem Höhenunterschied, z.B. ein Ringwallspeicher,
bei dem ein großvolumiger Ring (Unterbecken) ausgehoben und der Aushub in der Mitte zu einem Wall aufgehäuft wird, der ein höherliegendes Speicherbecken (Oberbecken) umschließt. Bei einem Ringdurchmesser von z.B. 11,4 km und einer Höhendifferenz von 200 m kann eine Leistung von 2 GW 14 Tage lang bereitgestellt werden, d.h. 2 Wochen lang kann solch ein Ringwallspeicher die Leistung von 2 Großkraftwerken (à 1000 MW) ersetzen. Sein Speichervolumen (2 GW•14•24 h = 672 GWh) ist fast 17 mal so groß wie die Summe aller bishergien Pumpspeicherkapazitäten in Deutschland (40 GWh). Eine Verdopplung der Dimensionen (2-facher Durchmesser und 2-fache Höhe) liefert eine 24 = 16-fache Kapazität.
  

Hubspeicherung
mit Granitkolben
Hubspeicherung mit Felszylinder
Radius: 500 m
Höhe: 500 m.
Hub: 500 m
Kapazität: 1,7 TWh

Bei Hubspeicherkraftwerken werden - statt Wasser - feste große Massen (z.B. tonnenschwere Beton-/Gesteinsblöcke oder sogar gigantische Felszylinder) mechanisch oder hydraulisch auf ein höheres Niveau angehoben, wodurch elektrische Energie (Strom) in potenzielle Energie umgewandelt wird. Das Anheben kann vertikal (z.B. Förderschacht im Bergwerk) oder auch schräg (z.B. Zahnradbahn) erfolgen. Umgekehrt kann durch Absenken der Masse die potenzielle Energie wieder in Strom rückgewandelt werden. Energieeffiziente Formen der Hubspeicherung erreichen Wirkungsgrade bis 90 % und haben gleichzeitig einen hohen Grad ökologischer Verträglichkeit, weil keine umweltproblematischen Stoffe oder knappe Rohstoffe gebraucht werden und auch bereits existierende Infrastruktur wie ausgediente Bergwerke, Steinbrüche oder Industriebrachen an vielen Orten dezentral zur Verfügung stehen. Obwohl die physikalisch-technischen Grundlagen der Hubspeicherung denkbar einfach sind und im kleinen Maßstab seit Jahren in Anlagen unterschiedlichster Art verwendet werden, befindet sich die großvolumige Hubspeicherung noch im Experimentierstadium, da angesichts der in der Vergangenheit ausreichenden Pumpspeicher-Kapazitäten keine Motivation bestand, Hubspeicherung im Großmaßstab ebenfalls zu erforschen und zu nutzen.

Energiedichte:
2,725 Wh/tm


Ein Problem ist die Energiedichte von nur 2,725 Wh/tm: Wird eine Masse von z.B. 1000 Tonnen (t) um 100 Meter (m) angehoben, wird eine Energie von 272,5 kWh gespeichert (s. Berechnung). Um 1000 kWh (= 1 MWh) zu speichern, müssten z.B. 1000 Tonnen um 367 m angehoben werden, bei 1000 MWh (= 1 GWh) müssten 1.000.000 t (=1 Mt) um 367 m angehoben werden. Um z.B. den durchschnittlichen täglichen Stromverbrauch in Deutschland von rund 1700 GWh zu speichern, müsste z.B. ein gigantischer Granitzylinder (Radius 500 m, Höhe 500 m) um 500 m angehoben werden.
Zum Vergleich: Goldisthal, das bisher größte Pumpspeicherkraftwerk in Deutschland (Stand: 1.1.12), hat eine Speicherkapazität von 8,5 GWh, die gesamte Pumpspeicherkapazität in Deutschland beträgt rund 40 GWh (durchschnittlicher Stromverbrauch in Deutschland während 35 Minuten [21] )
    

Druckluftspeicherwerk
Druckluftspeicherkraftwerk:  Grafik Großansicht
Daten/Großansicht

Bei einem Druckluftspeicherkraftwerk wird mittels elektrisch angetriebenem Kopmpressor der Luftdruck in einem großvolumigen druckdichten Gefäß erhöht. Die so erzeugte Druckluft speichert die elektrische Energie in Form von erhöhtem Druckpotentiial. Die Druckluft kann in Strom zurück gewandelt werden, indem sie eine Turbine mit Generator antreibt. Druckluftspeicherkraftwerke haben nur einen Wirkungsgrad von rund 40 %. Er kann etwas gesteigert werden, falls die Abwärme, die beim Komprimieren der Luft entsteht, ebenfalls gepuffert und beim Dekomprimieren wieder genutzt wird (adiabates Druckluftspeicherwerk). Rentabel ist die zusätzliche Abwärmepufferung jedoch allenfalls über wenige Stunden, weil sonst die erforderliche verbesserte Wärmeisolierung die Kosten unverhältnismäßig steigert.
Druckluftspeicher könnten aber die Kavernen im Salzgestein Norddeutschlands nutzen (z.B. Kraftwerk Huntorf) und dadurch viel näher an den in der Nord- und Ostsee geplanten Off-Shore-Windparks liegen. Allerdings würden die Druckluftspeicher in Norddeutschland immer noch weit entfernt liegen von Standorten vor allem in Süddeutschland, wo viel Strom verbraucht wird, der bisher von Atomkraftwerken bereitgestellt wurde. Sollen Druckluftspeicher in Norddeutschland in nennenswertem Umfang genutzt werden, müssten neue Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland gebaut werden.
 


Ein "virtuelles Kraftwerk" kann ggf. auch als "virtuelles Speicherkraftwerk" genutzt werden, nämlich dann, wenn unter den vernetzten Elementen hinreichend viele Strom nicht nur erzeugen sondern auch speichern können, wie z.B. die Akkus in einer Flotte von Elektroautos. Laut "Nationalem Entwicklungsplan Elektromobiltät" sollen bis zum Jahr 2020 etwa 1 Millionen Elektroautos zum Einsatz kommen. Sie könnten etwa eine Leistung von 2,5 GW bzw. eine Strommenge von rund 10 GWh über einige Stunden puffern [10] , was allerdings nur etwa 1/8 der schon 2009 festgestellten Windstromspitze und nur rund 6 ‰  des gesamten durchschnittlichen Stromverbrauchs pro Tag in Deutschland entspricht [11] .
   


Die Stromspeicherung und Wiedereinspeisung kann aber auch in indirekter Form erfolgen, als vermehrte Kälte oder Wärme:
Bei Stromüberschuss wird z.B. Gefriergut in Kühltruhen oder -häusern mehr als nötig gekühlt, in Zeiten von Strommangel kann die Kühlung dann unterbrochen werden, weil die Temperatur bei sehr guter Isolierung nur langsam ansteigt und erst nach Stunden oder Tagen eine erneute Kühlung notwendig wird. Strom wird also als vermehrte Kälte gespeichert. Statt in Zeiten von Strommangel das Stromangebot zu erhöhen, wie z.B. durch Elektroautos, verringert die abgeschaltete Kühlung die Stromnachfrage und wirkt damit in der Strombilanz wie ein Speicherkraftwerk.
   

Schwarmstrom
Schwarmstrom von Lichtblick

Umgekehrt kann Strom auch als vermehrte Wärme gespeichert werden, z.B. bei der Gebäudeheizung/ Warmwasserbereitung, wo als Speicherelement ein großvolumiger Wärmespeicher verwendet wird. Bei Stromüberschuss wird der Wärmespeicher aufgeheizt, z.B. durch eine elektrisch betriebene Wärmepumpe, bei Strommangel wird die Wärmepumpe ausgeschaltet und die Wärme wird dem Wärmespeicher entnommen.
Den gleichen Effekt hat das "Schwarmstrom"-Konzept von Lichtblick: In Zeiten von Strommangel erzeugen eine Vielzahl von gasbetriebenen Mini-BHKW zusätzlich Strom und ihre Abwärme wird in großvolumigen Wassertanks gespeichert. Bei Stromüberschuss bleiben dann die Mini-BHKW ausgeschaltet und die Wärme für das Gebäude wird aus dem Wärmespeicher entnommen.
   


Der Nachteil dieses Speicherprinzips ist, dass es im Sommer bei geringem Wärmebedarf nur sehr wenig nutzbare Pufferkapazität bietet: Zwar könnte der Wärmespeicher aufgeheizt werden, aber die gespeicherte Wärme könnte bei ausgestellter Heizung nur zum geringen Teil als Warmwasser genutzt werden. Der größte Teil der gespeicherten Wärme würde trotz guter Isolierung über einige Tage durch die unvermeidbare Abkühlung verloren gehen, ein Effekt, der schon von Sonnenkollektoren bekannt ist: Auch wenn wochenlang keine Wärme abgenommen wird, z.B. weil die Bewohner im Urlaub sind, ist der Wassertank, in dem die  Solarwärme gespeichert wurde, ausgekühlt, wenn vor Rückkehr aus dem Urlaub einige Tage lang schlechtes Wetter war. Erforderlich wäre also ein Langzeit-Wärmespeicher, der die überschüssige Wärme mindestens über einige Wochen bis Monate speichern könnte. Solche Speicher sind aber immer noch zu wenig energieeffizient und zugleich zu teuer, so dass sie bis auf Weiteres für die Energiewende keine nennenswerte Rolle spielen werden.
   

Nordsee-Verbundnetz
northseagrid: Infografik in Greenpeace-Studie

Daten/ Großansicht

Manche Experten halten die weiträumige Stromvernetzung (Supergrid) über HGÜ und darüber auch die Integration der gewaltigen Stromspeicherkapazitäten in Skandinavien, vor allem in Norwegen, für energieeffizienter und gleichzeitig kostengünstiger als den Ausbau von Stromspeichern in Deutschland.
Ab 2018/19 bzw. 2020 sollen neue HGÜ-Kabel "NordLink" bzw. "NorGer" Norwegen mit Deutschland verbinden (Kapazität:jeweils 1,4 GW) [14] . Außerdem planen 9 Nordsee-Anrainerstaaten, bis 2020 ein Großverbundnetz (Supergrid) zu installieren, das ihre Ökostrom-Kapazitäten vernetzt.
Durch den großflächigen Stromverbund kann das regional und jahreszeitlich schwankende Ökostrom-Aufkommen besser ausgeglichen werden, wobei das enorme Potenzial der Wasserkraft in Norwegen dazu beitragen kann, sowohl kurzfristig Last- bzw. Leistungspitzen auszugleichen als auch langfristig Strom großvolumig zu speichern: Einerseits direkt durch die schon vorhandenen oder noch stark ausbaufähigen Pumpspeicher-Kapazitäten oder indirekt durch flexiblen Lastfolgebetrieb der Wasserkraftwerke, die ihren Strom aus gewaltigen Energiespeichern in Form von Stauseen erzeugen.
   




Umwandlung von Strom in Wasserstoff oder Methan:
 
Nennenswerte Kapazitäten für Langzeit-Stromspeicher bieten bisher - wie oben beschrieben - nur Pumpspeicherkraftwerke, deren Wirkungsgrad bei hohen 80 % liegt. Die Umwandlung von Strom in Gas (power to gas) eröffnet eine weitere Möglichkeit für großvolumgie indirekte Stromspeicherung: aus Strom wird mittels Elektrolyse Wasserstoff und ggf. mittels anschließender Methanisierung Methan erzeugt (Hauptbestandteil von Erdgas). Beide Gase sind vielseitig verwendbar: sie können großvolumig und langfristig gespeichert werden, sie sind geeignet als Treib-/Brennstoff und können mittels gasgetriebenen Generatoren oder Brennstoffzellen wieder in Strom und Wärme rückgewandelt werden. Außerdem kann Methan in das vorhandene Erdgasnetz eingespeist werden, wodurch die bereits gut ausgebaute Erdgas-Infrastruktur mit seiner enormen Speicherkapaziät von 200 TWh als Stromspeicher nutzbar wird [17] . Allerdings sind die Energieverluste [18] und die Kosten [19] des "power to gas"-Konzepts derzeit noch so hoch, dass sich ein großtechnischer Einsatz (noch) nicht zu lohnen scheint [20] . Allerdings fehlen bisher umfassende vergleichende Kostenberechnungen für alternative Konzepte zur großvolumigen Langzeitspeicherung von Strom, z.B. dem Neubau von diversen Ringwall- und Hubspeichern in Kombination mit dem Aus- und Umbau des Stromnetzes.
  



Gaswirtschaft:
 
Manche Experten sehen in der Erweiterung des "power to gas"-Konzepts (voriger Abschnitt) zu einer Gaswirtschaft langfristig eine Alternative zur bisherigen Stromwirtschaft: statt Strom wird Gas (Wasserstoff oder Erdgas) an die Endverbraucher geliefert und dann vor Ort mit gasgetriebenen Generatoren oder Brennstoffzellen nach dem KWK-Prinzip gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Der große Vorteil dieses Konzepts ist, dass der Energieträger Gas die schon gut ausgebaute Erdgas-Infrastruktur beim Verteilen und zugleich Speichern nutzen kann, wodurch der kostenaufwändige und von Bürgern oft abgelehnte Aus-/Umbau der Stromnetze und - speicher entfallen oder mindestens deutlich reduziert werden könnte. =>  Gaswirtschaft   Wasserstoffwirtschaft

  
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Presse-/ Online-Medien
Datenbank

Der Presse-/Medienspiegel (Tages-, Wochenzeitungen, Monatszeitschriften und Online-Medien sowie Infos aus Newslettern von Umweltverbänden und NGOs) bieten vielfältige aktuelle und Hintergrund-Informationen.
  
Ab 2008 wurde das Oberthema "Energiewende" (EW) in die Unterthemen
"EW-Strom", "EW-Wärme" und "EW-Verkehr" gegliedert, Datensätze können also 4 Schwerpunkten (übergreifend; Strom, Wärme, Verkehr) zugeordet sein, wobei Überschneidungen möglich sind. Datensätze nur zu einem Unterthema sind nur dort abrufbar.
 
Energiewende-Strom:
Jahrgang: 2008  2009  2010  2011  2012  2013  2014  2015  2016  2017 

Energiewende: Oberthema und Unterthemen zusammen:
Jahrgang:  2004  2005  2006  2007  2008  2009  2010  2011  2012  2013  2014  2015  2016  2017 
   
Beliebige Suchbegriffe können recherchiert werden durch direkte Eingabe in die Maske oben auf der Startseite zum Presse-Archiv.  


Daten/ Statistiken/Infografiken: Aktuelles   (die jüngsten Datensätze)
Strommix
DE 1990-2016
Strommix-DE-1990-2016: Globus Infografik 11708/ 28.04.2017
28.04.17   (911)
dpa-Globus 11708: Strommix - früher und heute
In den Jahren 1990|2016 wurden insgesamt rund 550|648 TWh Strom erzeugt. Der Vergleich des Stommixes der Jahre 1990|2016 zeigt eine deutliche Verschiebung weg von den tradionellen Energiequellen (Anteile in %: Braunkohle 31,1|23,1; Kernenergie 27,7|13,1; Steinkohle 25,6|17,2; Mineralöl 2,0|0,9) hin zu den erneuerbaren Energien 3,6|29,0 und zu Erdgas 6,5|12,4, das als Übergangsenergie zu den erneuerbaren Energien gilt. Diese rangieren inzwischen auf Platz 1, allerdings gefolgt von der besonders klimaschädlichen Braunkohle. Die Atomstrommenge hat sich von 1990 bis 2016 etwas mehr als halbiert auf 84,6 TWh (13,1 % der Bruttostromerzeugung). Tabellenansicht
Ergänzung (zgh): Durch den Atomausstieg werden die aktuell noch betriebenen 8 Atomkraftwerke schrittweise bis 2022 vom Netz genommen. Damit die Versorgungs-sicherheit gewährleistet bleibt und kein Stromausfall im großen Ausmaß (Blackout) entsteht, müssen parallel im Zuge einer forcierten Energiewende a) die Erneuerbaren Energien und b) großvolumige Stromspeicher sowie c) Stromtrassen und d) die intelligente Vernetzung von Stromerzeugern - und verbrauchern (smart grid) ausgebaut werden. Wegen b) kommt noch e) die Umwandlung von Strom in Wasserstoff und/ oder Methan (Power to Gas) hinzu. In allen fünf Bereichen liegt die Entwicklung stark hinter den Erfordernissen zurück. Dadurch wächst das Risiko, dass der Atomausstieg ein 3.Mal revidiert wird (doppelte Merkel-Wende in der Energiepolitik 2010/2011), oder dass vermehrt Kohlestrom den rückgängigen Atomstrom ersetzt, was aktuell in Phasen passiert, wo das Ökostromaufkommen nicht ausreicht (z.B. wg. Dunkelflaute) oder nicht weiträumig genug verteilt werden kann (z.B. wg. unzureichendem Netzausbau). Dies ist mit eine Ursache dafür, dass der CO2-Ausstoß Deutschlands 2016 wieder gestiegen ist.
 
Quelle: AG Energiebilanzen     Infografik-Bezug      Tabelle/ Infos   

| Strom | EW-Strom | Kohle | Erdgas | Erdöl | Atomenergie | Atomausstieg | Erneuerbare Energien |
Windkraftleistung
DE 2000-2016
Windkraft-DE-2016: Globus Infografik 11610/ 10.03.2017
10.03.17   (884)
dpa-Globus 11610: Windenergie in Deutschland
Die Windkraft-Leistung in Gigawatt (GW) stieg von 2000|6,095 GW kontinuierlich an auf 2016|50,001 GW. 2016 wurden 80 TWh Windstrom erzeugt, 12,3 % des Bruttostroms.
Ende 2016 waren in Deutschland 28.000 Windkraftanlagen (WKA) installiert.
Bei den Bundesländern bzw. der Nord-/Ostsee beginnt die Liste mit [NI 5925; BB 3633; NW 3339; SH 3336; ST 2794] und endet mit [SL 149; Ostsee 101; HB 87; HH 51; BE 5]. Tabellenansicht
Die Top4 Länder stellen bereits 58 % der WKA.

Quelle: DEWI     Infografik-Bezug      Tabelle/ Infos   

| Windenergie | Erneuerbare Energien | Ökostrom | EW-Strom |
Windenergie
Welt 2001-2016
Windenergie_Welt-2001-2016: Globus Infografik 11596/ 02.03.2017
02.03.17   (880)
dpa-Globus 11596: Windenergie weltweit
Die weltweit installierte Windkraft in Gigawatt (GW) ist kontinuierlich von 2001|24 auf 2016|487 gestiegen. Die Top10 Länder bei der installierten Leistung im Jahr 2016 waren: CN 169; US 82; DE 50; IN 29; ES 23; GB 15; FR 12; CABR 11; IT 9. Tabellenansicht
Besonders stark war der Zubau von Windkraft in China (2015|+30, 2016|+23), um die Abhängigkeit von Kohle zu verringern. Auf Rang 2 bzw. 3 beim Zubau 2016 lagen die USA (+ 8) bzw. Deutschland (+5).

Quelle: Global Wind Energy Council     Infografik-Bezug      Tabelle/ Infos 

| Windenergie | Erneuerbare Energien | Ökostrom | EW-Strom |
Daten/ Statistiken/Infografiken: Archiv   (jahrgangsweise chronologisch)
Jahrgang:  2006  2007  2008  2009  2010  2011  2012  2013  2014  2015  2016  2017 
     

Dokumente: Aktuelles   (die jüngsten Datensätze)
Energiewende-Studie
Energiewende-Studie
20.06.16   (127)
Volker Quaschning: Sektorenkopplung durch die Energiewende
Quaschning analysiert in seiner viel beachteten Studie, wie und in welchem Umfang die Erneuerbaren Energien ausgebaut und das gesamte Energieversorgungssystem umgebaut werden müssen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens in Deutschland umzusetzen. Laut Quaschning müssen die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr bis 2040 vollständig dekarbonisiert und deshalb alle Kohlekraftwerke bis 2030 stillgelegt werden. Neuanlagen zur Wärme- und Warmwasserbereitung dürfen ab 2020 nur effiziente Wärmepumpen verwenden (keine fossilen Heizungen mehr). Neufahrzeuge müssen möglichst ab 2025, spätestens 2030, rein elektrisch fahren; deshalb müssen die wichtigsten Fernstraßen mit Oberleitungen für LKW ausgerüstet werden. Basis der gesamten Energieversorung muss ab 2040 Ökostrom hauptsächlich aus Wind- und Solarenergie sein, der teils mittels Power-to-Gas in Methan gewandelt und im Erdgasnetz gespeichert wird, um die Versorgungssicherheit auch in Phasen der Dunkelflaute zu gewährleisten.
 
 Download der Studie [htw-Berlin]  

| EW-Strom | EW-Wärme | EW-Verkehr | nachhaltige Energie | Kohle | CCS-Technologien | Elektroauto | Erneuerbare Energien | Energieeffizienz | Energiesparen |
Erneuerbare Stromversorgung
SRU-Sondergutachten: Erneuerbare_Stromversorung
26.01.11   (87)
SRU: Wege zur 100 % erneuerbaren Stromversorgung
In seinem Sondergutachten zeigt der SRU anhand verschiedener vom DLR berechneter Szenarien, dass eine Vollversorgung mit Ökostrom in Deutschland bis 2050 machbar, sicher und ökonomisch vorteilhaft ist. Als günstigste Variante erweist sich ein Stromverbund mit Skandinavien mit seiner enormen Pumpspeicherkapazität (Norwegen 84 TWh, Schweden 36 TWh), die zur Speicherung von Windstrom vorteilhaft sind. Atom- und Kohlestrom mit CCS hält der SRU für nicht nachhaltig und lehnt daher die Laufzeitverlängerung von Atom- wie auch den Neubau von Kohlekraftwerken ab. Stattdessen sollen Energieeffizienz und Energiesparen sowie ein moderater Ausbau von Gaskraftwerken als Brückentechnologie zur Energiewende fungieren. Laut SRU sind nur die Erneuerbaren Energien vereinbar mit den Nachhaltigkeitskriterien der Generationengerechtigkeit und Risikovorsorge und daher langfristig die einzige absehbar nachhaltige Lösung für die Stromversorgung.
  
Download: SRU Sondergutachten zur nachhaltigen Stromversorgung [pdf; 4,4 MB]

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Energiekonzept-2010
Energiekonzept-2010:  Grafik Großansicht
28.09.10   (84)
BMWi-BMU: Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung
Das Bundeskabinett beschloss am 28.9.10 das vom BMWi und BMU erstellte Energiekonzept, das am 28.10.10 vom Bundestag mit der Stimmenmehrheit der CDU/CSU+FDP-Koalition gegen heftigen Protest der Opposition unverändert bestätigt wurde. Das Energiekonzept will eine Strom, Wärme und Verkehr integrierende Gesamtstrategie für eine nachhaltige Energieversorgung bis 2050 sein. Da es neben allgemeinen und unverbindlichen Zielformulierungen nur wenige konkrete Details, darunter die hochumstrittende Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke von 8 bis 14 Jahre enthält, was die Atommüllproblematik verschärft und die Energiewende ausbremst, wird das Energiekonzept in der Fachwelt sowie in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft überwiegend abgelehnt.
 
Infos: Überblick/ Presserklärung/ Bestellung/ ergänzende Materialien
Download: Energiekonzept 2010 [pdf; 3,1 MB; BMWi]

| Energie | Atomenergie | Erneuerbare Energien | Energiewende | EW-Strom | EW-Wärme | EW-Verkehr | nachhaltige Energie |
Dokumente: Archiv   (jahrgangsweise chronologisch)
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Unterrichtsmaterialien: Aktuelles   (die jüngsten Datensätze)
Tschernobyl
IBB-Startseite
Wanderausstellung
15.01.11   (48)
IBB: 25 Jahre nach Tschernobyl-Menschen-Orte-Solidarität
Am 26.04.1986 explodierte der Kernreaktor bei Tschernobyl: der Super-GAU setzte gewaltige Mengen an Radioaktivität frei, die von Winden und Niederschlägen europaweit verbreitet wurden. Als Langzeitfolge der Verstrahlung ist mit über 200.000 Krebstoten zu rechnen. Auch Deutschland war regional stark betroffen, z.B. sind bestimmte Pilze und Wildfleisch, infolge von Anreicherung in der Nahrungskette, noch heute stark radioaktiv belastet Quellennachweis. Im Jahr 2011, wo sich die Reaktorkatastrophe zum 25.Mal jährt, will die neue Wanderausstellung die Erinnerung an die bisher folgenschwerste Reaktorkatastrophe wachhalten. "Auf inhaltlich und methodisch vielfältigen Wegen sollen durch das Prisma Tschernobyl gesellschaftliche Lernprozesse im Umgang mit den globalen Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft ermöglicht werden" Quellennachweis (IBB).
Die Ausstellung startet in Dortmund (15. - 27.1.11, Stadtkirche St. Petri) und wird dann in mehr als 40 Städten (Deutschland, Österreich, Niederlanden) gezeigt.
Termine,  Infos: Medienspiegel  ptext

| Tschernobyl | Atomenergie | Atomausstieg | EW-Strom |
Stromkonzerne
Autstieg und Krise der deutschen Stromkonzerne:  Bestellung bei amazon.de
Sachbuch
31.12.10   (47)
P.Becker: Aufstieg und Krise der deutschen Stromkonzerne
Ponte Press Verlag, 12/2010, ISBN-13: 978-3920328577; 332 S., Preis 24,80 €
Der Autor, einer der renommiersten Anwälte für Energierecht, beschreibt zunächst kenntnisreich den Aufstieg der Energiekonzerne. Er begann mit der Erfindung des Stromgenerators durch Werner Siemens und wurde wesentlich vorangetrieben durch Unternehmer wie Walther Rathenau (Aufbau der vom Vater gegründeten AEG) und Hugo Stinnes, Zechenerbe, der durch die Verwertung der Abwärme seiner Schwerindustrie das RWE groß machte. Immer eng verflochten mit der Politik entstanden mächtige Gebietsmonopole, die Macht und Einfluss durch Absprachen und koordinierte Strategien -oft flankiert durch einen politischen Schutzschirm - bis heute erhalten konnten. Besonders spannend - bis hin zu interessanten Insiderdetails - sind die Kapitel zur aktuellen Energiepolitik und ihren Hintergründen: Fusionen der letzten Jahre, z.B. E.on+Ruhrgas mit Ministererlaubnis; Manipulation der Strompreise an der Leipziger Strombörse EEX; Absprachen des Duopols E.on und RWE; Bußgeldbescheide der EU-Kommission gegen E.on. Ausführlich analysiert der Autor, wie die Politik die Energiekonzerne in die Atomwirtschaft drängte und ihren Aufstieg mit gewaltigen Subventionen und einem fragwürdigen Atomrecht förderte. Die Analyse des neuen Energiekonzepts der schwarzgelben Regierung, besonders die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke vor dem Hintergrund des Aufstiegs der erneuerbaren Energien, bilden einen weiteren Schwerpunkt des Buches. Beckers Analyse und Einschätzung, dass die Gesetze zur Laufzeitverlängerung hohe verfassungsrechtliche Risiken bergen, dürfte wichtig Impulse liefern für die Fortentwicklung des Energierechts und das Voranbringen der Energiewende. Aus Anlass der Atomkatastrophe in Japan reichte Becker am 14.03.11 einen Eilantrag zur Stilllegung von Biblis A beim hessischen Umweltministerium ein.
    
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Stromversorgung
Zukunft der Stromversorgung:  Grafik Großansicht
Lenrmodul
22.10.10   (45)
Uwe Rotter: Zukunft der Stromversorgung
Eine nachhaltige Stromversorgung weltweit umzusetzen ist eine gewaltige Herausforderung für das 21.Jahrhundert. Die Nachtaufnahme von Europa, Nordafrika und Nahost zeigt eindrucksvoll, wie ungleich der Stromverbrauch ist. Wie wird sich der Stromverbrauch in den verschiedenen Regionen entwickeln? Wie kann der vermutlich noch wachsende Strombedarf vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung auf nachhaltige Weise erzeugt und verteilt werden? Wie kann die Energiewende weg von den fossilen hin zu den erneuerbaren Energien gelingen. Das interaktive Lernmodul hilft, die komplexen Probleme zu verstehen, und zeigt Lösungswege auf, wobei auch aktuell diskutierte Ansätze (z.B. DESERTEC) einbezogen werden.
  
=> Weitere Informationen / Download des Lernmoduls

| Strom | Ökostrom | EW-Strom | Solarenergie | Windenergie |
Unterrichtsmaterialien: Archiv   (jahrgangsweise chronologisch)
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zum Seitenanfang Anmerkungen
[1] siehe: Windenergie: Daten/ Statistiken/ Infografiken
[2] Fritz Vorholz: Wüstensonne für Europa [ZEIT 6.11.08]. Der Artikel basiert auf der Studie in [3]
[3] Gregor Czisch: Szenarien zur zukünftigen Stromversorgung  [4.11.06]
[4] a) Bernward Janzing: Waschen nach Wetter [taz 22.4.08]
b) energienetz.de: Netz mit Köpfchen [11.9.08]
[5] BINE-Projektinfo 02/2008: Stromnetzqualität - Netzintegration dezentraler Stromerzeuger  (Z 9.11.08)
Das Projektinfo wird inzwischen auch als Website bei BINE angeboten.
[6] a) Markus Gärtner: Das "intelligente Stromnetz" verbindet Erzeuger und Kunde [vdi 24.10.08 /GENIOS]
b) Anja Steinbuch: Schlau vernetzt und nachhaltig versorgt. Boulder in den USA ist Modell für eine energieeffiziente Stadt [FTD 17.9.08/ GENIOS]
[7] BINE: Marktmodell für ein dezentral organisiertes Energiemanagement im elektrischen Verteilnetz [24.10.07]
[8] kombikraftwerk.de: Hintergrund-Infos, Grafik, Video und Animation zum Kombikraftwerk.
[9] Stromspeicherkapazität aus: Wikipedia: Koepchenwerk (Z 9.11.08)
Zum Vergleich: der durchschnittliche Stromverbrauch Deutschlands pro Tag ist knapp 3000 mal so groß:
Der gesamte Stromverbrauch Deutschlands betrug 2007 rund 638 TWh.
638 TWh/ 365 / 590.000 kWh = 638/365/590 • 1012 Wh/ 106 Wh  = 2963.
[10] siehe: Elektroauto > Stromspeicherung
[11] a) In den 5 Stunden ab dem 25.12.09 21 Uhr speisten die Windkraftwerke in Deutschland eine Rekord-Strommenge von 100 GWh ein, das entspricht einer durchschnittlichen Windkraftleistung 20 GW, soviel wie 20 durchschnittliche AKW unter Volllast.
b) 638 TWh/ 365 = 1,75  TWh  = 1750 GWh;       10 GWh /  1750 GWh  =  0,0057 ≈  6  ‰.
[12] Da sich die Vielzahl der Mini-BHKW schnell und koordiniert an den fluktuierenden Ökostrom anpassen können, gleichen sie einem Schwarm. Daher hat Lichtblick für diese Art von hochflexibler Stromerzeugung die Bezeichnung "Schwarmstrom" gewählt.  Weitere Infos
[13] siehe: Elektroauto > Stromspeicherung
[14] Quellen:  faz.net (21.6.12)    BMWI (13.10.14)
[15] Laut Berechnungsbeispiel zur Pumpspeicherung gilt: 1000 m³ um 1 m hochpumpen speichert 2,725 kWh,  1000 kWh erfordern also 1000/2,725 = 367 mal so viel, z.B.: 367.000 m³ um 1 m  oder 3.670 m³ um 100 m oder 1000 m³ um 367 m.
[16] Die bisherige Spitzenlast einschließlich Reserve liegt bei ca. 80 GW, durch Stromsparen und Steigerung der Energieeffizienz sowie Lastmanagment lässt sie sich vermutlich innerhalb weniger Jahre auf 70 GW = 10 • 7 GW (Pumpspeicherleistung im Jahr 2010) oder weniger senken.
Der Stromverbrauch in Deutschland beträgt ca. 600 TWh pro Jahr, also pro Tag im Durchschnitt 1,64 TWh. Da im Winter der Stromverbrauch höher ist, setzen wir zum überschlägigen Rechnen 2 TWh pro Tag an. Um z.B. eine 10-tägige Phase ohne nennenswerten Wind- und Solarstrom zu überbrücken, müssten also 20 TWh = 500 • 40 GWh (Pumpspeicherkapaziät im Jahr 2010) aus Stromspeichern abrufbar sein.
Genauere Modellrechnungen für das Jahr 2050 bei 85 % EE-Strom ergeben sogar einen Speicherbedarf von ca. 30 TWh (Quelle: Sterner et.al.: Die Speicheroption Power-to-gas ... [pdf, 6,4 MB])
[17] Zum Vergleich: Die Speicherkapaziät aller Pumpspeicher in Deutschland beträgt zusammen 40 GWh, d.h. die Speicherkapazität des Gasnetzes von 200 TWh = 200.000 GWh ist 5000 mal so groß. Bei einem angenommen täglichen Verbrauch von 2 TWh (siehe [16]) würden die Gasspeicher also rein rechnerisch (ohne Wandlungsverluste) 100 Tage lang reichen.
[18] Der Wirkungsgrad η einer Energiewandlungskette ist das Produkt aus den Einzel-Wirkungsgraden der Elemente, aus denen die Kette besteht, und wird im folgenden als  η(Kette) = Zahl  notiert. Der jeweilge Einzel-Wirkungsgrad wird in () hinter dem Element aufgeführt.
Eine Brennstoffzelle (BSZ) erzeugt immer Strom und Abwärme, wobei deren Anteil je nach Funktionsweise der BSZ variieren kann. Im Folgenden werden Durchschnittswerte für BSZ mit Wasserstoff verwendet.
Bei a) wird die Abwärme nach dem KWK-Prinzip voll genutzt, bei b) gar nicht, zum Vergleich in c) die konventionelle Pumpspeicherung:
a) η(Elektrolyse (0,80) → Gasnetz (0,99) → Brennstoffzelle: Strom + Wärme (0,85) ) = 0,67
b) η
(Elektrolyse (0,80) → Gasnetz (0,99) → Brennstoffzelle: nur Strom (0,60) ) = 0,48
c) η(Stromnetz vom Kraftwerk zum Speicher (0,96) → Pumpspeicher (0,80) → Stromnetz (0,92) ) = 0,71
Quelle für die Einzel-Wirkungsgrade: Wikipedia (Z 20.08.12)
  
Der Wirkungsgrad von "power to gas" ist also selbst in Zeitphasen, z.B. im Winter, wo die Abwärme der BSZ voll zu Heizzwecken genutzt werden kann, etwas schlechter als bei konventioneller Pumpspeicherung. Bei den Kosten könnte "power to gas" allerdings mittel- bis längerfristig günstiger als Pumpspeicherung werden, weil der Aus-/Umbau der Stromnetze und - speicher weitestgehend entfällt.
[19] Die Kosten für Stromspeicherung mittels Power-to-Gas werden (abhängig vom Verfahren) auf 0,60 €/kWh (Offshore) bis 1,20 €/kWh (Onshore) veranschlagt [vdi-nachrichten 22.6.12].
[20] Derzeit entwickeln das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart zusammen mit der Firma "SolarFuel" in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Kassel ein Konzept zur Umsetzung von "power-to-gas" im industriellen Maßstab. Die grundsätzliche Machbarkeit wurde mit einer seit 2009 laufenden Pilotanlage (25 kW, Wirkungsgrad 0,4) bewiesen. Eine erste Großanlage (6,3 MW , Wirkungsgrad 0,54) soll 2013 in Betrieb gehen. Weitere Infos [nano 29.11.11, solar-fuel,  FAZ 6.7.12].
[21] Der Stromverbrauch in Deutschland pro Jahr (8760 h) liegt bei rund 600 TWh, pro Stunde im Durchschnitt also 600.000 GWh / 8760 = 68,5 GWh, also 40 GWh/68,5 GWh • 60 Min. = 35 Min.

Stand: 20.11.14/zgh Energiewende  Ökostrom
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